Künstliche Intelligenz
Warum KI-Tools für Unternehmen kein Schlaraffenland sind
Ein kurzer Prompt, ein schneller Knopfdruck – und schon liefert die KI ein neues Logo. Hier und da eine kleine Korrektur, und fertig. Eine schnelle, günstige und „passt schon“-Lösung. Klingt verlockend? Haben Sie schon einmal versucht, dieses Logo in einen Flyer oder ein Plakat einzusetzen? Es funktioniert nicht. Ein Bild ist zwar schnell generiert, doch saubere Pfade, Vektoren, reproduzierbare und vor allem CD-konforme Farbwerte sind vor allem eines: echtes Handwerk. Und dieses kann uns die KI leider – oder glücklicherweise – immer noch nicht vollständig abnehmen.
KI kann ganz schön viel. Und das ist auch gut so.
Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Als Creative Director liebe ich KI-Tools. Ich erlebe täglich, wie sie Arbeitsprozesse beschleunigen, zur Inspiration anregen und visuelle Möglichkeiten eröffnen, die vor ein paar Jahren noch undenkbar waren. Midjourney, Adobe Firefly, Magnific, automatisierte Layouttools – das alles ist fantastisch. Und ich würde jedem Unternehmen empfehlen, diese Entwicklung nicht an sich vorbeiziehen zu lassen. Aber: Zwischen beobachten, prüfen, selektiert anwenden und sich bedingungslos auf die KI verlassen liegen meilenweite Unterschiede.
KI kann generieren. KI kann variieren. KI kann beeindrucken. Und ja – mit den richtigen Skills, Agenten und einem durchdachten Setup lässt sie sich sogar mit Unternehmenswissen füttern: Wer ist die Zielgruppe? Wie wird kommuniziert? Was ist die Tonalität? Das alles ist möglich, und es funktioniert oft erstaunlich gut.
Aber es gibt eine Ebene, die darunter liegt – und die KI-Designtools bislang nicht erreichen. Sie wissen nicht, warum Ihr Corporate Design so aussieht, wie es aussieht. Warum die Abstände so gesetzt sind. Warum diese eine Farbe eine bewusste Entscheidung war – und was verloren geht, wenn sie durch ein KI-generiertes Äquivalent ersetzt wird, das nur ähnlich aussieht. Warum ein bestimmtes Layout Vertrauen ausstrahlt – und ein fast identisches es untergräbt. Das ist kein Datenproblem. Das ist Gestaltungskompetenz: die Fähigkeit, visuelle Entscheidungen so zu treffen, dass sie eine Wirkung erzeugen – bewusst, präzise, reproduzierbar.
KI-Tools für Unternehmen: Nur wer hinterfragt, gewinnt
Ein Kunde von uns – engagiert, digital-affin, gut vernetzt – wollte eine PowerPoint-Präsentation für seine Vertriebsmannschaft erstellen. Er hatte ein Briefing, er hatte eine KI, er hatte Zeit. Was er nicht hatte: ein sauber hinterlegtes Design-System und die Erfahrung, einer KI zu erklären, was sein Unternehmen eigentlich kommunizieren will. Das Ergebnis war eine Präsentation, die technisch funktionierte, aber die falschen Farben hatte, die falsche Schrift, den falschen Tonfall. Und vor allem: Sie transportierte nicht die wesentlichen Botschaften, die hinter dem Briefing steckten.
Erst als unser Design-Team begann, die richtigen Fragen zu stellen, wurde klar, dass das ursprüngliche Briefing diese überhaupt nicht enthielt. Was ist das Ziel der Präsentation? Wer sitzt im Vertriebsmeeting? Was soll die Zielgruppe danach denken, fühlen, tun? Als Beraterinnen und Berater für kreative Visualisierung sind wir darauf intensiv geschult, genau dort nachzubohren, wo andere davon ausgehen, bereits fertig zu sein. An diesem Punkt setzt unsere Arbeit an. Eine KI hinterfragt selten, denn die gängigen Modelle sind darauf optimiert, möglichst schnell eine „hilfreiche“ Antwort zu liefern. Ob die Antwort tatsächlich der Aufgabenstellung entspricht, entscheiden Large Language Models (LLMs) anhand typischer Muster. Dieses kann mal mehr, mal weniger der tatsächlichen Aufgabenstellung entsprechen. Eigens erstellte Agenten und personalisierte Chatbots mit Kontext-Wissen können hier helfen, die zugrunde liegende Problematik jedoch nicht lösen. Die KI weiß nicht, was sie nicht weiß, und hat regelmäßig nicht die nötige Fähigkeit zur Reflektion, um Lücken in der Aufgabenstellung aufzudecken. Die KI liefert. Immer. Ohne zu murren. Und genau das ist das Problem.
Was Unternehmen mit dem Einsatz von KI-Tools riskieren
Vielleicht ist das die größte Herausforderung der aktuellen Situation: KI-generierte Inhalte sehen oft auf den ersten Blick gut aus. Nicht perfekt – aber gut genug, um die Aufgabe abzuhaken. Das ist das eigentliche Risiko von KI-Tools für Unternehmen. Nicht, dass die KI schlechte Arbeit liefert, sondern dass sie Arbeit liefert, die eben akzeptabel ist. Doch akzeptabel ist in der Markenkommunikation gleichbedeutend mit verschenktem Potenzial. Für uns als Beraterinnen und Berater für Design ist klar: Selbst die Kreation eines vermeintlich simplen Logos ist keine reine keine Design-Fragestellung, sondern ein Kommunikationsauftrag mit einer klaren Zielsetzung: Firmenidentität, Marktpositionierung und Kernbotschaften zielgruppengerecht zu transportieren.
Takeaways
- KI-Tools für Unternehmen: bieten neue Möglichkeiten, sind aber auch fehleranfällig
- Qualität vor Geschwindigkeit: menschliche Kompetenz setzt bereits beim Briefing an
- Wirkungsvolle Gestaltung: transportiert Ihre visuelle Identität und schafft Vertrauen bei Ihrer Zielgruppe

